Das üben wir nochmal: Gedämpfte Geflügelcreme-Röllchen

Das war (kochtechnisch) nicht mein Tag gestern. Ich habe ein Rezept aus Lotta-Martinas neuem China-Rezepte-Heft ausprobiert. Abgesehen davon, dass es eine ziemliche mühselige Angelegenheit war, konnte das Ergebnis mich auch geschmacklich nicht ganz überzeugen.

Aber der Reihe nach. Schon die Zubereitung der Eierkuchen wollte mir erst nicht so recht gelingen. Zunächst stellte sich mir die Frage, wie groß die Omelettes denn werden sollte. Die Angabe „in eine große Pfanne“ ließ mich vermuten, dass die 28-cm-Pfannen die richtige sei.  War sie nicht, denn die kleine Kelle Eiermasse verlor sich darin und das Ergebnis war kein schöner runder, sondern ein etwas unförmiger Fladen. Außerdem war mir die Pfanne zu heiß geworden und die Masse warf Blasen und stockte zu schnell (deshalb steht im Rezept auch „Bei nicht zu hoher Hitze etwas Öl in eine große Pfanne geben“). Der zweite Versuch in der 24-cm-Pfanne brachte dann das gewünschte Ergebnis: drei schöne runde Omelettes.

Als nächstes erwies sich die Füllung als Herausforderung: ich hatte das Fleisch mit dem Kochmesser etwas zerkleinert und mit dem Knoblauch und Ingwer vermengt, um es dann mit dem Pürierstab zu zerkleinern. Das war etwas mühsam, weil sich immer wieder Fleischfasern um die Klinge wickelten. Und auch die Selleriescheiben ließen sich nur schlecht zerkleinern – die hätte ich mit dem Messer schneller und feiner hingekriegt.

Die fertige aufgerollten Omelettes habe ich dann nicht, wie im Rezept angegeben in Scheiben geschnitten – dafür waren sie mir zu fragil – sondern im Ganzen gedämpft und dann erst in Scheiben geschnitten. Das Ergebnis war zumindest optisch etwas durchwachsen und geschmacklich zunächst eher enttäuschend. Die Eierkuchen waren mit einem Esslöffel Sojasoße ja noch hinreichend gewürzt, aber die Fleischfüllung war ziemlich fad. Da war der eine Löffel Sojasoße eindeutig zu wenig, zumal kein Salz und auch sonst keine Gewürze drin waren. Lediglich noch Knoblauch und Ingwer, die das Defizit aber nicht ausgleichen konnten (in den Mengenangaben unten, habe ich aus zwei Esslöffeln Sojasoße vier gemacht, ich denke das passt).  Ich habe daher noch ein Schälchen mit Sojasoße auf den Tisch gestellt und die Stücke darin ein wenige eingetunkt. Außerdem gab es eingelegten Ingwer dazu und zwei Chilisoßen habe ich auch als Dipp getestet. Die scharfe war ungeeignet, weil sie alles erschlug, die süße passte dagegen – in kleiner Dosierung – gut.

Ach ja, zu guter Letzt hätte ich beinahe noch den Sesam vergessen – wie man auf dem Foto sieht, bzw. nicht sieht, denn dort fehlt er noch. Wie gesagt: es war nicht mein Tag.

Zutaten

  • 200 g ausgelöstes Hähnchenfleisch aus der Keule
  • 1 Stück Ingwer (ca. 2 cm)
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 4 EL helle Sojasoße
  • 3 TL Sesamöl
  • 1 TL Speisestärke
  • 5 Eier
  • 1 TL Zucker
  • etwas Öl zum Ausbacken
  • 2 – 3 große Chinakohlblätter
  • 1 EL Sesamsamen

Portionen: 4
Zubereitungszeit: 50 Minuten

Zubereitung

Das Fleisch kleinschneiden. Ingwer und Knoblauch schälen und sehr fein hacken. Alles zusammen mit 3 EL Sojasoße, 1 TL Sesamöl und der Stärke vermengen und 15 Minuten ziehen lassen. Die Selleriestange putzen und in dünne Scheiben schneiden. Das Fleisch im Mixer zu einer glatten Masse zerkleinern. Die Sellerie zugeben und noch einmal kurz durchmixen, so dass von dieser noch kleine Stücke übrig bleiben.

4 Eier mit Zucker und 1 EL Sojasoße verrühren – möglichst so, dass es nicht schäumt. Öl in einer Pfanne nicht zu stark erhitzen und etwas Eiermasse hineingeben, so dass der Boden dünn bedeckt ist. Zu einem hellen Omelette backen und auf einen Teller stürzen (es wird nur eine Seite gebacken!), so dass die gebackene Seite oben liegt und sogleich mit etwas Sesamöl bepinseln. Auf diese Weise drei bis vier Eierkuchen backen.

Das fünfte Ei verquirlen. Die gebackene Seite der Eierkuchen mit der Fleischcreme bestreichen. Das Ganze einrollen und am Ende mit dem verquirlten Ei bestreichen, damit es besser hält. Jetzt sagt das Originalrezept, dass man die Teile schräg in fingerdicke Scheiben schneiden soll. Ich habe sie allerdings als ganze Rollen in den Dämpfeinsatz getan und erst nach dem Garen in Scheiben geschnitten – ansonsten hätte das wohl ein noch größeres Desaster gegeben.

Jetzt in einem großen Topf mit passendem Dämpfeinsatz zwei cm Wasser zum Kochen bringen. Den Dämpfeinsatz mit den Kohlblättern auslegen und die Röllchen (bzw. die Scheiben) darauf verteilen und zugedeckt 15 Minuten dämpfen (bei mir waren es 20 Minuten).

Inzwischen die Sesamsamen in einer beschichteten Pfanne ohne Fett anrösten und zum Servieren über die Omelette-Scheiben streuen.

Die Angabe „4 Portionen“ gilt natürlich nur, wenn man das Gericht als Vorspeise oder Zwischengang serviert. Serviert man es als Hauptgericht, so sollte ein Salat nicht fehlen. Und da man ja noch reichlich Chinakohl übrig hat, würde sich der Chinesische Kräutersalat anbieten.

Jürgen
Kocht gerne und fast täglich. Probiert oft Neues aus. Wenn’s sein muss, auch mal aus der Convenience-Food-Abteilung (aber wirklich nur gaaanz selten), was dann auch regelmäßig hier verbloggt wird.
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0 Kommentare zu “Das üben wir nochmal: Gedämpfte Geflügelcreme-Röllchen

  1. Danke für den Trost. So gesehen, ist das natürlich ein tolles Rezept, denn es bietet wirklich reichlich Verbesserungspotenzial. 😉

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Das üben wir nochmal: Gedämpfte Geflügelcreme-Röllchen

Jürgen 13:48