Dass ich gerne esse, zeigt mir nicht nur die Waage. Mein Interesse an gutem Essen spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, dass ich ein Foodblog ins Leben gerufen habe. Ich möchte meine Liebe zu qualitätvollem, leckeren Essen einfach teilen, möchte auch mal meiner Skepsis Ausdruck verleihen, ob es immer Sterneküche sein muss und tradierte Rezepte genauso wie Neues oder Exotisches aufzeichnen. Da ist es natürlich klar, dass ich auf Reisen immer auch genau auf’s Essen schaue und nicht nur das: ich esse natürlich auch. Und zwar „local“, nicht überall Schnitzel oder Hamburger. Ich versuche, mich was zu trauen, aber nicht alles.
Laos ist für die meisten an sich schon terra incognita: Wo liegt das eigentlich? Ein bisschen hilft die Ortsangabe „zwischen Thailand und Vietnam“, wobei genau genommen im Uhrzeigersinn von Norden aus China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar an Laos grenzen. Damit hat Laos keinen Zugang zum Meer. Die Grenze zu Thailand im Westen bildet über weite Teile der Mekong.
Die Demokratische Volksrepublik Laos hat knapp 7 Mio. Einwohner. Nur geschätzt 600.000 davon leben im städtischen Raum, der Rest ist Landbevölkerung. Im Landesdurchschnitt gibt es eine Alphabetisierungsrate von 60%, mit starken lokalen Unterschieden. Ca. 30.000 Laoten studieren an den zusammen elf Hochschulen des Landes. In 2002 verfügte ganz Laos über 15 ausgebildete Frauenärzte (mittlerweile an die 50). Das Bruttoinlandsprodukt pro Person liegt bei knapp 900 US-Dollar. Laos ist Dritte Welt.
Trotzdem herrscht in Laos keine ausgeprägte Hungersnot. Auch in Jahren von Missernten (in Laos wird hauptsächlich Trockenreis angebaut, der im Gegensatz zum Nassreis nur eine Ernte pro Jahr erlaubt, weswegen ein Ernteausfall verheerend ist) wissen die Menschen, wie man überleben kann. Uraltes, überliefertes Wissen tritt dann zutage und aus dem Urwald wird alles geholt, was essbar und verträglich ist. Blätter, Wurzeln, Holz, Kleintiere und Insekten, Flussfische, Frösche und Vögel, in der Not gibt es nichts, was den täglichen Speiseplan nicht bereichern könnte. Wichtig ist das Überleben.
In Vientiane, der Hauptstadt von Laos, war ich weit weg von dererlei Überlegungen. Vientiane ist schon längst in Teilen in der Hand von Touristen. Backpacker finden sich hier hauptsächlich, denen eher an billigem Alkohol,Spaß und Nudelsüppchen gelegen ist als an der ernsthaften Beschäftigung mit der laotischen Kultur, aber auch vermehrt Pauschalreisende, denen aber auch zumeist nur die romantischen Seiten des Landes gezeigt werden. Ihr Radius ist so weit wie der klimatisierte Reisebus, der sie herumkutschiert, es zuläßt.
Auch mein Blick geht nur so tief, wie ich es zulasse. Ich kann mir ein Fahrrad mieten und umher fahren, Märkte erkunden, Stadtviertel, in die sich nie ein Tourist verirrt, Gerüche, Staub und Hitze aufnehmen. Oder ich kann mich wieder zurückziehen in mein sauberes Hotelzimmer mit Aircondition und Kabelfernsehen.
Was ich nicht kann, ist an den unzähligen Straßenständen mit Essen vorübergehen. Tatsächlich habe ich mich 14 Tage lang von dem ernährt, was mir an Straßenständen serviert wurde. Dabei habe ich, sobald ich einen angenehmen Ort gefunden habe, nicht mehr weiter experimentiert: Dort gegessen, es genossen und es vertragen hat bedeutet, dass ich am nächsten Tag dort wieder vorbei gekommen bin. Bei Preisen zwischen 3 und 6 Euro für ein Essen mitsamt einer Flasche Beerlao, dem sensationell leckeren Bier aus einer Brauerei in Vientiane, läßt sich preiswert schlemmen, und es hat mir an keinem Tag etwas gefehlt. Erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland, denn so hätte ich noch einige Tage weiter essen können.
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Hat die „Lotta“ erfunden. Kocht täglich. Steht vor allem auf asiatische Küche und Hausmannskost. Mag keine Tiefkühlprodukte und keine Bandnudeln. Isst alles außer … Grünkohl!
