Es gibt Düfte, die einen augenblicklich in den Sommer zurückversetzen. Frisch gemähte Wiesen gehören dazu – und der unverwechselbare Duft reifer Himbeeren. Wer schon einmal an einem warmen Julitag mit leicht roten Fingern zwischen dicht gewachsenen Himbeersträuchern gestanden hat, weiß genau, wovon ich spreche.
Während Himbeermarmelade ihren ganz eigenen Charme besitzt, hat sie auch einen Nachteil: Die Kerne in den Himbeeren. In diesem Jahr war das Frühjahr recht trocken. Das hat dem Geschmack der Himbeeren zwar keinen Abbruch getan, aber die Früchte sind kleiner als üblich. Damit haben die Kerne natürlich einen höheren Anteil in der Marmelade. Das hatte ich vor einigen Jahren schonmal und empfand es als etwas störend.
Mit Himbeergelee vermeidet man dieses Problem. Es ist wunderbar klar, streichzart und intensiv fruchtig. Keine störenden Kerne und warme Wetter hat für ein sehr intensives Aroma gesogt. Auf einem noch warmen Brötchen, einem knusprigen Croissant oder einfach auf einer Scheibe frischem Toastbrot schmeckt es nach Sommer, Sonne und Garten.
Das Schöne daran: Himbeergelee selbst herzustellen ist viel einfacher, als man zunächst denkt. Ein wenig Geduld braucht man lediglich beim Entsaften der Früchte – den Rest übernimmt fast von allein der Kochtopf. Das Ergebnis sind leuchtend rote Gläser voller Fruchtaroma, die sich nicht nur hervorragend zum Frühstück machen, sondern auch ein schönes selbstgemachtes Mitbringsel sind. Gerne verwende ich Fruchgelees auch, wenn ich eine Salatvinaigrette mache. Ein oder zwei Löffel Gelee geben der Vinaigrette eine wunderbar fruchtige Note.
Zutaten
- 2 kg reife Himbeeren
- 500 ml Wasser
- Saft einer Zitrone
- 500 g Gelierzucker 2:1
- alternativ 1000 g Gelierzucker 1:1
Portionen: 4 Gläser à 250 ml
Zubereitungszeit: 30 Minuten (plus die Zeit, um den Saft ablaufen zu lassen)
Zubereitung
1. Himbeeren entsaften
Die Himbeeren vorsichtig verlesen – vor allem angeschimmelte Früchte müssen aussortiert werde – und zusammen mit dem Wasser in einen großen Topf geben. Alles aufkochen und etwa zehn Minuten leicht köcheln lassen.
Anschließend die Fruchtmasse durch ein mit einem Mulltuch oder Küchentuch ausgelegtes Sieb abtropfen lassen. Wer ein besonders klares Gelee möchte, lässt den Saft mehrere Stunden – am besten über Nacht – ganz in Ruhe ablaufen und drückt die Früchte nicht aus. Ich stelle noch ein mit Wasser gefüllten Topf auf die Früchte, so das der Saft durch den leichten Druck schneller abläuft. Am Ende drücke ich die Fruchmasse zusätzlich noch vorsichtig aus. Das steigert die Saftausbeute, ohne dass zuviele Trübstoffe hineingelangen.
2. Gelee kochen
900 ml Himbeersaft abmessen und mit dem Zitronensaft und dem Gelierzucker in einen ausreichend großen Topf geben.
Unter ständigem Rühren aufkochen und anschließend etwa vier Minuten kräftig sprudelnd kochen lassen.
3. Gelierprobe
Einen kleinen Löffel Gelee auf einen kalten Teller geben. Wird die Masse nach kurzer Zeit fest, ist das Gelee fertig. Falls nicht, noch ein bis zwei Minuten weiterkochen und die Probe wiederholen. Eventuell noch etwas Zitronensaft zugeben.
4. Abfüllen
Eventuell entstandenen Schaum abschöpfen und das heiße Gelee sofort randvoll in sterilisierte Gläser füllen. Deckel fest verschließen, ca. sieben Minuten auf den Kopf stellen und anschließend vollständig auskühlen lassen.
Tipps
- Je reifer und aromatischer die Himbeeren sind, desto intensiver wird später der Geschmack.
- Für ein glasklares Gelee den Saft möglichst nur ablaufen lassen und die Früchte vorsichtig auspressen.
- Sollte etwas Saft fehlen, kann mit wenig Wasser oder (mein Favorit, siehe auch der Hinweis beim Himbeerwein) klarem Apfelsaft aufgefüllt werden.
- Kühl und dunkel gelagert hält sich das Gelee problemlos ein Jahr.
- Anstelle von Gelierzucker verwende ich oft normalen Haushaltszucker und gebe das Geliermittel separat dazu. So muss ich nicht immer Gelierzucker im Haus haben oder extra einkaufen.
Kleine Ideen zum Verfeinern
Wer gerne experimentiert, kann dem Gelee eine ganz persönliche Note geben:
- das Mark einer Vanilleschote mitkochen,
- ein Stück Zitronengras während des Kochens mitziehen lassen,
- oder einen kleinen Schuss Cognac ergänzen.
Fazit
Selbstgemachtes Himbeergelee gehört für mich einfach zum Sommer dazu. Der Aufwand hält sich in Grenzen, das Ergebnis schmeckt um Längen besser als viele gekaufte Varianten und jedes geöffnete Glas bringt auch im tiefsten Winter ein kleines Stück Sommer zurück auf den Frühstückstisch.
Falls ihr Himbeeren im Garten habt oder auf dem Wochenmarkt ein besonders schönes Angebot entdeckt: Greift zu! Ihr werdet euch spätestens im Januar freuen, wenn ihr das erste Glas öffnet.