Geschäftemacherei mit dem Unglück in Fukushima

Das die Atomkatastrophe, die Japan getroffen hat, irgendwann auch von dubiosen Geschäftemachern für ihre Zwecke genutzt wird, war ja klar. Und so wunderte ich mich nicht wirklich, als ich kürzlich eine Spam-Mail mit folgendem Betreff in meinem Posteingang fand:

Letzte Möglichkeit für nicht verseuchten Tee aus Japan

 

Der Absender: „Wichtige Nachricht“ <neuigkeiten@exklusiver-teeversand.xxxxx>“.  Nun kommt bei mir nur äußerst selten mal eine Spam-Mail durch den Spamfilter „SpamAssasin“ und normaler Weise entferne ich die sofort durch einen Klick auf den Spam-Button meines Firefox. Die hier wollte ich mir aber dann doch mal näher anschauen. Allein schon wegen des reißerischen Titels. Das klang ja so, als sei ganz Japan atomar verseucht! Nun der besorgte Spammer wollte mich informieren,

dass es nur noch ganz wenig Naturprodukte aus Japan gibt, die unbedenklich gekauft werden können. Zu den letzten Produkten gehört der beliebte  Darjeeling-Tee aus Japan. Dieser stammt aus der Ernte Herbst 2010 und wurde somit vor der Atomkatastrophe geerntet.

Äh, wie bitte, Darjeeling-Tee aus Japan? Da stutzte ich, denn das war mir neu. Bisher wähnte ich das Anbaugebiet am Himalaya in Indien und Nepal. Was hatte das mit dem Desaster von Fukushima zu tun? Der Kaufempfehlung mochte ich daher nicht unbedingt folgen. Und auch den weiteren Text fand ich sehr merkwürdig.

Seit jeher gilt der Darjeeling als der beste Tee der Welt. Er wird angebaut am Fuße des Himalaja-Gebirges, in Höhen bis zu 2800m!

Wollen die einen für dumm verkaufen? Offensichtlich. Nun, jetzt wurde es doch mal an der Zeit, mir die Webseite anzuschauen, auf die eine URL in weiteren Mailtext verwies. Auf den ersten Blick sah die gar nicht mal schlecht aus. Seltsam fand ich allerdings, das hier nur genau ein Produkt angeboten wird. Und die Aufkleber auf den drei Teedosen auf dem Foto kamen mir irgendwie vertraut vor.  Auch empfand ich den Preis als recht üppig: 49 € für 3×100 gramm Tee, 100 g Darjeeling, 100 g grüner Tee (übrigens hier ohne Herkunftsangabe) und 100 g Mate-Tee. Das schien mir doch arg teuer, auch wenn der Darjeeling aus kontrolliertem Bio-Anbau ist (bei den anderen beiden Tees stand das nicht dabei).  Okay, werfen wir mal einen Blick ins Impressum. Dort steht als Verantwortliche für die Webseite eine englische Limited mit Anschrift in London. Die Adresse ist aber anscheinend falsch geschrieben, den Google konnte keine „Dukett Street“ finden, wohl aber eine „Duckett Street“. Hm. Also mal bei der Denic geschaut, auf wen die Domain registriert ist. Interessant: Der Domaininhaber lautet auf „Exklusiver Teeversand“, allerdings mit einer Adresse in Karlsruhe. Admin-C, Tech-C und Zone-C lauteten alle auf den gleichen Namen. Sieht für mich nicht nach einer Firma aus, bei der ich gerne etwas bestellen möchte.

Aber dann kam der Hammer. Ganz unten auf der Impressum-Seite, nach den üblichen – mehr oder weniger sinnlosen Disclaimern -, las ich in der Quellenangabe zur Startseitengrafik: https://www.teagschwendner.com/AT/de/Shop_Praesente.TG?activeID=1060

Jetzt war mir auch klar, warum mir die Teedosen so bekannt vorkamen. Ich bin ja regelmäßiger Kunde in dem Ladengeschäft in der Fressgass‘ und die Etiketten haben dieses typische Layout. Nun konnte ich mir irgendwie nicht vorstellen, dass ein so renommiertes Unternehmen wie Teegschwendner seine Erlaubnis erteilt haben sollte, diese Grafik zu verwenden. Also kurz die Webseite von Teegschwendner in Deutschland und Österreich (wohin der Link im Impressum zeigte) aufgesucht, Kontaktadressen rausgesucht und nachgefragt.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und war eindeutig. Teegschwendner hatte denen die Verwendung der Grafik natürlich nicht erlaubt und distanzierte sich vehement von dieser Art des „Teeverkaufs“. Auch hält man die Aussagen auf der Webseite nicht für seriös. Fein, das wollte ich doch nur bestätigt haben. Wie schon vermutet: Geschäftemacherei mit dem Atomunglück in Japan. Und für den Geschäftemacher dürfte es jetzt uangenehm werden. Die Ankündigung in der Antwortmail von Teegschwendner läßt jedenfalls nichts Gutes ahnen:

wir danken sehr herzlich für diesen Hinweis, dank dessen wir unverzüglich gegen die Betreiber der Website vorgehen werden.

Es würde mich sehr freuen, wenn damit einem mutmaßlichen Spammer das Handwerk gelegt würde, noch bevor er die Früchte seines zweifelhaften Tuns ernten kann.

Jürgen
Kocht gerne und fast täglich. Probiert oft Neues aus. Wenn’s sein muss, auch mal aus der Convenience-Food-Abteilung (aber wirklich nur gaaanz selten), was dann auch regelmäßig hier verbloggt wird.
Print Friendly, PDF & Email

0 Kommentare zu “Geschäftemacherei mit dem Unglück in Fukushima

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Geschäftemacherei mit dem Unglück in Fukushima

Jürgen 9:07