Gasthof Seppenbauer in Kärnten

Ganz Kärnten ist sternefrei, zumindest hat’s keine Michelinsterne. Nicht mehr, denn der rote Michelin Guide für Österreich ist für 2010 eingestellt worden. Wahrscheinlich sind die Restauranttester ob des Ergebnisses einer Umfrage von Falstaff, einer österreichischen Weinzeitung, in Ohnmacht gefallen. Falstaff  im O-Ton: „Die Lieblingsspeisen der Österreicher sind paniert.“ und weiter : „Das Ergebnis ist zwar wenig überraschend, aber in diesem Ausmaß doch schockierend. 26.600 Teilnehmer voteten im Internet für ihre Leibgerichte… Bei den Hauptgerichten erzielte das Wiener Schnitzel mit fast 13.000 Stimmen mit Abstand den ersten Platz. An zweiter Stelle landete das Cordon Bleu, knapp gefolgt vom Backhendl.“ Und da haben ja nicht gerade wenig Leute teilgenommen, und die Leser von Falstaff essen auch nicht nur an der Imbissbude.

Um so schöner, dass es jetzt im kulinarisch eher standardversorgten Metnitztal eine neue Perle gibt den „Seppenbauer“. Der Gasthof ist frisch renoviert. Es gibt einen rustikal urig gestalteten Gastraum in dem man rotkarierte Hemden trägt und auf Pferdesätteln an der Theke sitzen kann. In der Zigarrenstube werden Raucher nicht weiter diskriminiert und dürfen sich auspaffen. Über eine Treppe gelangt man in das Restaurant. Es ist zurückhaltend elegant, ohne seine regionale Herkunft zu verleugnen. Über eine weitere Treppe gelangt man zum ehemaligen Heustadl, in dem sich ein kleines Automuseum mit ca.20 Oldtimern befindet, darunter auch einige hübsche „Porsches“.

Wir hatten regionale Produkte. Hirsch-Medaillons, aus dem Metnitztal, schön rosa gebraten mit Knöpfle, das ist so eine Art Spätzle und einem sensationellen Rotkraut leicht zimtig und mit richtig noch Biss. Für Vegetarierinnen gab es lecker überbackenen Palatschinken gefüllt mit Spinat, etwas Dipp und Balsamico. Ausserdem hatten wir Grillteller und ganz klassisch Kinder Wienerschnitzel mit Pommes. Zum Trinken gab es unser geliebtes Hirter, einer kleineren Familienbrauerei ganz in der Nähe. Immer wieder lecker das Hirter 1270, dem Gründungsdatum der Brauerei.

Bei den Nachspeisen passend zum Kinder Wiener, ein Schokoladeneis und ein Schokoladensoufflé, das eher an einen, wenn auch guten, Muffin erinnerte. Da war mir doch einen Zirbelschnapsel lieber, schmeckt ein bisschen nach Tannenzapfen und damit, unter anderem, wird das wohl auch gemacht. Der abschliessende Espresso heisst hier „kleiner Schwarzer“ kostet, € 1,90. Die Preise durchaus zivil, der Grillteller und der Hirsch € 14,90. Der Palatschinken € 7,90 und das Kinder Wiener erfreuliche € 4,50. „Jeder Feinspitz findet in der Speisekarte das Richtige“ meint der Seppenbauer auf seiner Internetseite. Was ist bitte ein Feinspitz ?

Gernot, im rot karierten Hemd, bediente uns freundlich und klärte uns darüber auf , dass die Brauerei Hirter hier das Sagen hat und der Umbau des Hauses, ein paar Millionen verschlungen hat.

Was uns Gernot nicht verraten hat, oder nicht sollte, dass gegenüber in einem kleinen, eher unauffälligen Landschlösschen Herr Piëch wohnt, der das Ganze wohl finanziert hat. Und bei der Gestaltung auch nicht ohne Einfluss war, so legte er wohl Wert auf eine kleine Gaststube für die Einheimischen, der Zigarrenstube, und auch den rustikalen Gastraum.

Dann sagen wir doch mal ein Lob! … Für das Gasthaus Seppenbauer.

Jetzt verstehen wir auch die „Porsches“ im Automuseum!

Gasthof Seppenbauer

Marktplatz 6
A-9361 St.Salvator
Telefon +43-4268-20100
Internet www.seppenbauer.eu

Montag Ruhetag, Dienstag 17 – 24 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 9 – 24 Uhr

Update im Oktober 2012

Vergessen Sie fast alles was ich 2010 über den Erlebnisgasthof  Seppenbauer geschrieben habe, zumindest für das Essen. Wir freuten uns auf leckere Wildgerichte, gute Veggiesachen preiswertes Kinderschnitzel und leckere Weine. Und dann kam mit der Speisekarte das Grauen. Es war Dienstag und es war Schnitzeltag. Weg waren die regionalen Wildgerichte und all die anderen guten Sachen. Schnitzeltag heisst Schnitzel für 6,50 €,upps! Die Schnitzel waren einfachste Convenience-Qualität. Ein „Erlebnis“ war der Salat, angemacht mit etwas Essig und Zucker. Sowas geht gar nicht! Und ein „Erlebnis“ war auch die Aussage des Koches auf die Frage: Ist Mehl in der Sauce?, „Weiss ich nicht ich, habe sie nicht gemacht“. Hat sie vielleicht gar kein Koch gemacht, sondern  eine Packung namens Ma….? Selten so schlecht gegessen in einem eigentlich nettem Ambiente! Schade !

Gargantua
Meidet Tütensuppen und Dosenchampignons. Ansonsten ist (fast) jeder Fisch willkommen, wenn er sich in der Pfanne ordentlich benimmt.
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Gasthof Seppenbauer in Kärnten

Gargantua 10:31