Das kulinarische No-Go im Taunus (Zum Fuchstanz)

Ausflugslokal Zum Fuchstanz (Taunus)

Dass Ausflugsgastronomie üblicherweise schlechtes Essen mit horrenden Preisen verbindet, ist weder ein Geheimnis, noch ein unbegründetes Vorurteil. Die in meinen Augen unsäglichen Viehweide und Berggasthof Herzberg haben das erst jüngst wieder gezeigt. Aber das alles ist nichts gegen das kulinarische No-Go, das wir kürzlich im Restaurant „Zum Fuchstanz“ auf dem Fuchstanz im Taunus erlebten. Aber fangen wir von vorne an. Der Tag begann schon mit schlechten Vorzeichen: ich habe morgens erstmal verpennt, das Ciabatta-Brot zum Frühstück schmeckte wie billigstes Weißbrot, das Lokal, welches wir ursprünglich aufsuchen wollten (das Gasthaus „Zum Alt-Fuchstanz“ direkt gegenüber) hatte wegen Besitzerwechsel und Umbau geschlossen und kurz bevor wir unser Ziel erreichten fing es auch noch an zu regnen.

Ihr die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren

Da das Gasthaus „Zum Alt-Fuchstanz“, wie schon erwähnt, geschlossen hatte, war es im „Zum Fuchstanz“ natürlich proppevoll und wir fanden nur mit Mühe noch zwei Sitzplätze an einem bereits belegten Tisch. Froh darüber, überhaupt noch einen Platz gefunden zu haben, bemerkten wir nicht, dass der Ofen im Gastraum ausgegangen war. Aber zunächst einmal empfanden wir es als angenehm warm in der Gaststube und begaben uns zur Theke, um etwas zu Essen und zu Trinken zu beschaffen, denn im “Zum Fuchstanz“ gibt es „Quasi-Selbstbedienung“ (= manche Essen werden an den Tisch gebracht, Getränke und andere Essen holt man selber ab). Auf der Karte finden sich überwiegend einfache Gerichte, die schnell zubereitet und serviert sind: Erbensuppe, Linsensuppe, Heringstopf mit Kartoffeln. Dazu eine ganze Latte von Flammkuchenvariationen, die momentan in bestimmten Teilen der Gastronomie wohl schwer „in“ sind. Ähnlich wie in der Flammkuchenhölle gab es auch hier die wüstesten Kombinationen. Ich mag die Menagerie des „kulinarischen Grauens“ hier gar nicht aufführen. Jedenfalls wählte mein Begleiter die Version mit Feta und Salami. Meine Wahl fiel dagegen auf die Erbsensuppe mit Bockwurst. Ein Gericht bei dem man doch eigentlich nichts falsch machen konnte, wie ich irrigerweise annahm.

Nun, man kann! Ruckzuck landete die Wurst kleingeschnitten auf dem Teller und eine große Kelle Erbsensuppe vollendete das Werk. Senf zu der Wurst brauche ich natürlich immer. Nur war es hier schwierig ihn so zu platzieren, dass er nicht einfach in der Suppe unterging. Denn es gibt keinen Tellerrand, und so musste ich den Billigsenf aus der großen gelben Flasche irgendwie auf die Wurststücke drapieren.

Das ganze kann man dann gleich mit an den Platz nehmen. Was ein bisschen blöd ist, denn der Flammkuchen dauerte einige Minuten und wurde serviert. Also fing ich schon mal an zu Essen. Ich muss sagen, ich habe noch nie eine derart schlechte Erbsensuppe gegessen. Nicht einmal der Mensafraß (Erbsensuppe mit Wurst gab es dort auch gerne mal) während des Studiums hatte so einen schauderhaften Geschmack. Ich weiß nicht, was da in der Suppe an „Gewürz“ drin war, es verursachte jedenfalls einen sehr seltsamen Beigeschmack. So als hätte man billigste Dosenware mit Wasser, Stärke und Fondor verlängert. Unglaublich! Es wird niemanden verwundern, dass die Wurst nicht besser schmeckte. Und das Ganze für 6,50 €!

„Stabiler Euro“ – nicht in der Gastronomie!

An dieser Stelle möchte ich dann doch mal, die gute alte D-Mark bemühen (auch wenn sie schon über 10 Jahre passé ist), um zu zeigen, wie horrend die Preise mittlerweise in der Gastronomie zum Teil sind: 6,50 € sind 12,71 DM. In Preisen von 2002 – dem Jahr der Euro-Bargeld-Einführung – wären das kaufkraftbereinigt ca. 10,80 DM! Mal ehrlich: Hätte damals irgendjemand 10,80 DM für einen Teller Erbsensuppe mit Bockwurst ausgegeben? Wohl kaum – auch nicht in einem Ausflugslokal. Also entweder stimmt da was mit der Kaufkraftberechnung nicht oder in der Gastronomie wurden die Preise einfach in unverschämte Regionen getrieben. Zumindest in diesem Fall ist das wohl eindeutig so. Und wenn ich noch die schlechte Qualität berücksichtige dann bleibt für mich nur, dass ich dieses Haus des kulinarischen No-Go künftig meiden werde!

Ach ja, dass wir das “Zum Fuchstanz“ nach nicht einmal 45 Minuten eiligst wieder verließen hatte noch einen zweiten Grund: Der Ofen war, wie schon erwähnt, aus und mittlerweile war es doch unangenehm kühl im Gastraum geworden. Reklamieren lohnte sich nun aber auch nicht mehr, denn wir wollten nur noch raus. 22 € ärmer (für ein großes Pils, ein Hefeweizen, die unsägliche Erbsensuppe und den Flammkuchen – unfassbar), aber nicht wirklich satt, machten wir uns auf den Heimweg… begleitet von einem unangenehmen Nachgeschmack im Mund, von der Suppe, der sich auch mit dem Pils, nicht hatte wegspülen lassen. Sowas habe ich auch noch nicht erlebt.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich das andere Lokal nach der Neueröffnung vielleicht mal testen.

Und damit es keine Verwechslung gibt. Das kulinarische No-Go erlebten wir im „Zum Fuchstanz“, das geschlossene ist das „Zum Alt-Fuchstanz“!

Hinweis: dieser Artikel wurde am 1.6.2012 überarbeitet.

 

Jürgen
Kocht gerne und fast täglich. Probiert oft Neues aus. Wenn’s sein muss, auch mal aus der Convenience-Food-Abteilung (aber wirklich nur gaaanz selten), was dann auch regelmäßig hier verbloggt wird.
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Das kulinarische No-Go im Taunus (Zum Fuchstanz)

Jürgen 16:06