Wallers letzter Gang. Oder: Für die Katz‘?

Heute fiel das Essen aus. Nicht weil ich nicht gekocht hätte, och nö. Der Einkaufsgatte hat aus der Stadt wunderbaren Wels mitgebracht. Bodensee-Wels!

Der Herr der Fischtheke meinte, kurz auf der Fleischseite anbraten, dann auf die Hautseite wenden. In Olivenöl braten. Langsam fertig garen.

Wir haben uns wirklich drauf gefreut.

Also hab ich den Wels, der stark gewürzt werden sollte, laut der männlichen Fischthekenschlampe, erstmal ordentlich gesäuert, obwohl ich das sonst nie mache, um den Fisch nicht schon vorher im Zitronensaft zu garen. Dann hab ich ihn nach Anweisung gebraten. Und mich schon gewundert über recht dicke Speckschichten, die mit der Hitze ans Licht kamen. So ein Bodenseewaller hat halt Winterspeck. Und kräftig nach Bodensee hat er schon gerochen.

Auf dem Teller offenbarte sich das ganze Desaster: Von dicken Fettschichten durchzogener Fisch mit recht schlammigem Aroma. Hätte jedem Karpfen Ehre gemacht.Das konnten Kartoffeln und Senf-Kapern-Soße nicht rausreißen.

Die Nutznießer waren die antiken Fellknäuel, die noch jetzt mit vollfettem Wels kämpfen und ihn sehr genießen. Die fressen auch rohe Meisenhirne, sind also nicht wirklich ein kulinarischer Maßstab. Obwohl, sonst sind sie ja fressensmäßig schon bemüht. Hier mal ein Spargelspitzchen, dort einen Ziegenfrischkäse …

Uns ist jedenfalls nach ein paar Bissen der Appetit mächtig vergangen. Es waren sicherlich mehrere Liter Fischfett, die aus der Tranche auf den Teller liefen. Die schöne Struktur des Fischfleisches – als hätte man Speck und Filet in Rouladen gerollt. Dazu das Aroma des Bodensees. Da schmeckt man doch gleich raus, dass der Fisch am Seegrund gelutscht hat. So schmeckt die wahre Natur!

Nachher holen wir vielleicht noch eine Pizza …

Hat die „Lotta“ erfunden. Kocht täglich. Steht vor allem auf asiatische Küche und Hausmannskost. Mag keine Tiefkühlprodukte und keine Bandnudeln. Isst alles außer …
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0 Kommentare zu “Wallers letzter Gang. Oder: Für die Katz‘?

  1. Madame (rechts) war es dann wohl doch auch zu fett und sie musste den Wels rückwärts wieder ans Tageslicht (eigentlich Nachtlicht) lassen. Aber wenigstens ist ihr Magen nun schön sauber und gepflegt …

    Ich wünsche ab jetzt den Bodenseewelsen ein langes, friedliches Leben ohne Fischer und Angler.

  2. Und ich dachte, nur unser Kater ist so ein Vogel- und Mäusekopf-Feinschmecker 🙂 Er verzehrt das Haupt und den Rest legt er uns hin… Schade jedenfalls um den Fisch, der hat bestimmt auch noch ein paar Markfuffzig gekostet…

  3. Wohlgemerkt, die Katzen sind reine Wohnungskatzen. Was nicht fliegen kann und auf unseren Balkonen zwischenlandet, ist sicher ….
    Früher fand ich oft nur noch zwei, drei Federn und den Schnabel … dann gab es ein paar Lebendfänge, auch mal eine Fledermaus, die ich aber alle nicht retten konnte. Und heutzutage – zusammen sind die beiden 34 Jahre alt – nimmt man es wohl eher sportlich. Die fetten Filets (also den Rest von den Tieren) bekomme ich dann vor die Füße gelegt, aus Dankbarkeit für jahrzehntelanges Dosenöffnen.

    Der Wels war allerdings nicht ganz Low-Budget. Heute steht in einem Werbeprospekt eine Anzeige für Zuchtwels, 9,99 Euro das Kilo. Hab‘ ich vorgelesen, aber den Gatten hat’s geschüttelt beim Gedanken an Wels. Und mir ist momentan auch irgendwie jeglicher Süßwasserfisch verleidet. Schande.

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Wallers letzter Gang. Oder: Für die Katz‘?

Martina 20:15