Trippa al pomodori

Kutteln! Geht’s schlimmer? Kutteln (hier in Freiburg: Sulz) sind so etwas, das scheidet die Geister. Man mag es oder findet es grauenhaft.

Ich gebe mich ja nicht damit ab, etwas lebenslang grauenhaft zu finden. Na gut, bei Putenfleisch, warmen Gurken oder warmem Fenchel kann ich es mir vorstellen. Bei Kutteln … naja … Die wikipedia beschreibt es wenig appetitlich: „Kutteln, Flecke oder Kaldaunen ist die küchensprachliche Bezeichnung für den gewöhnlich in Streifen geschnittenen Vormagen (Pansen) von Wiederkäuern. Sie gehören zu den Innereien. Neben Kutteln vom Schaf und vom schon selbst fressenden Kalb (Fresser) werden vor allem Kutteln vom Rind verwendet.“ Wie soll das gehen, etwas essen, dass eigentlich gegen das Verdauen immun ist?

Als ich klein war lebte eine Frau im Haus, die machte nicht nur ihr Sauerkraut selbst (stinkt!), die hat auch oft Kutteln abgekocht (stinkt barbarisch!). Es riecht, als würde man Kuhmist auskochen. Meine Mutter hat das auch mal gemacht (warum eigentlich, sicher nicht, weil meine Nachbarin ihren Appetit angeregt hat) und ich konnte es nicht essen. Es schmeckte auch nach Stall. Sie hatte es mehrmals probiert, einmal nach einem konventionell deutschen Rezept, dann Französisch. Beides war nicht der Knüller, auch wenn die Tomatensoße mit Wein bei der Franzmann-Version den Geschmack etwas überdeckt hat.

Wieso habe ich dann letztens Sulz gekauft? Keine Ahnung. Weil ich experimentierfreudig bin vielleicht. Weil man das hier schon abgekocht beim Metzger bekommt, das Schlimmste also erledigt ist. Also ging ich ans Werk, und was rauskam dabei, war gar nicht übel. Als es abgekühlt und druchgezogen war, fand ich es sogar noch besser, ich habe es im zweiten Durchgang kurz lauwarm aufgewärmt und mit etwas Baguette genossen. Nur die Konsistenz, ziemlich weich und undefiniert, die gefällt mir nicht. Sulz, Kutteln, Kaldaunen, Tripes, Trippa – kommt jetzt in meinen „kann man machen, muss aber nicht sein“-Rezeptschatz.

Zutaten (2 Vorspeisenportionen):
  • 250 g Sulz (Kutteln), vorgekocht
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Karotte
  • 1 Dose Tomaten (oder frische Tomaten, j nach Jahreszeit)
  • Salz, Pfeffer
  • 1 Lorbeerblatt
  • Rinderbrühe (instant)
  • 1 Prise Zucker
  • Olivenöl

Zubereitung:

In einem Rezept las ich, auch vorgekochte Sulz solle man nochmal ordentlich waschen (vier bis 5 mal) und dann noch zweimal blanchieren. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Kutteln fand ich das nicht übertrieben. Beim Blanchieren wurde das Stück weich und flauschig wie ein Frotteelappen. Dann habe ich eine Tomatensoße zubereitet: Zwiebeln und Knoblauch hacken, Karotte schälen und klein würfeln, in etwas Olivenöl anbraten, Tomaten dazugeben, mit Rinderbrühe etwas flüssiger machen, Salz, Pfeffer, Lorbeer, Zucker … 1/2 Stunde köcheln lassen, bis eine wohlschmeckende Soße entstanden ist. Sulz schnetzeln und in die Soße geben, 10 bis 20 Minuten ziehen lassen. Was mir aufgefallen ist: Das Fleisch (oder was immer das ist) nimmt viel Salz auf, es scheint es geradezu anzuziehen. Also aufpassen.

Man kann die Soße auch mit einem Schluck Rotwein zubereiten, statt Lorbeer Oregano verwenden, oder ein beliebiges anderes mediterranes Gewürz. Wenn die Tomatensoße lecker ist, schadet die Trippa darin nicht mehr. Dazu frisches Baguette oder Ciabatta.

Hat die „Lotta“ erfunden. Kocht täglich. Steht vor allem auf asiatische Küche und Hausmannskost. Mag keine Tiefkühlprodukte und keine Bandnudeln. Isst alles außer …
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0 Kommentare zu “Trippa al pomodori

  1. Also irgendwie sieht das ja lecker aus. Aber auf der anderen Seite habe ich auch diesen üblen Geruch, der beim Kochen der Kuddeln entsteht, in der Nase. Dabei könnte ich nicht einmal sagen, woher. Denn keine meiner Großmütter hat dieses Rezept jemals auf den Tisch gebracht – und meine Mutter sowieso nicht.

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Trippa al pomodori

Martina 20:02