Kräuter auf Vorrat: frisch, getrocknet, tiefgefroren

Der Sommer ist lange zuende und der rapide fortschreitende Herbst erinnert daran, dass nun nicht mehr viel Zeit bleibt um die letzten Kräuter zu ernten und einen Vorrat für die kommenden Wintermonate anzulegen. Aber wie bewahrt man bei den verschiedenen Kräutern am besten das Aroma? Einfrieren, trocknen oder wie sonst? Ja, ja, ich weiß am besten sind sie natürlich frisch, aber wenn man nicht gerade über ein Gewächshaus oder einen Wintergarten – am besten mit künstlicher Beleuchtung – verfügt, sind viele frische Kräuter im Winter schlicht und ergreifend nicht verfügbar. Einfrieren ist da bei vielen Kräutern eine gute Alternative zum althergebrachten Trocknen. So verlieren Estratgon, Petersilie, Dill oder Schnittlauch so stark an Aroma, dass man ebensogut Rasenschnitt verwenden könnte – ist auch grün und liefert Chlorophyll. Gut (d.h. möglichst luftdicht) verpackt halten sie dagegen im Gefrierschrank mehrere Monate ohne nennenswerte Aromaverluste. Es gibt allerdings auch Kräuter, die sich weniger gut zum Einfrieren eignen: der Basilikum beispielsweise. Seine Blätter verfärben sich unansehnlich dunkel und auch das Aroma leidet in der arktischen Kälte. Besser man verarbeitet größere Basilikumüberschüsse gleich zu Pesto. Das hält im Kühlschrank einige Wochen und bei minus 18 Grad problemlos mehrere Monate (Tipp: am besten portioniert man es – z.B. in einem Eiswürfelbehälter – und friert das Pesto „stückweise“ ein. So läßt es sich auch im gefrorenen Zustand leicht in der gewünschten Menge entnehmen).

In der folgenden Tabelle habe ich mal meine eigenen Erfahrungen mit diversen Kräutern zusammengestellt. Ergänzungen und Kommentare sind natürlich herzlich willkommen.

Kräuter/Gewürze trocknen einfrieren Bemerkung
Basilikum o am besten zu Pesto verarbeiten und dieses einfrieren
Beifuß ? +
Bohnenkraut + + behält auch getrocknet lange sein Aroma, friere ich daher nie ein
Chili + + ich friere die ganzen Schoten ein und entkerne sie erst nach dem Auftauen
Dill +
Estragon +
Ingwer + Getrockneter, gemahlener Ingwer verliert sehr stark sein Aroma. Das sollte man sich nicht antun
Galgant + Getrockneter, gemahlener Galgan verliert sehr stark sein Aroma. Einfrieren geht dagegen sehr gut. Ist fast wie frisch, nur etwas weich.
Grüne Soße + Am besten die Kräuter für eine Portion grüne Soße (bestehend aus Borretsch, Pimpinelle, Sauerampfer, Kerbel, Schnittlauch, Kresse, Petersilie) zusammenstellen, hacken und einfrieren
Kaffir-Limonen-Blätter ? o Blätter werden beim Einfrieren fest. Ich verwende sie daher ganz und entferne sie am Ende der Kochzeit. Ob man sie trocknen kann, habe ich noch nicht probiert
Kerbel + kann man dann noch gut für Suppen, Soßen oder die Grüne Soße verwenden
Koriandergrün ? +
Kresse 0
Lavendel + +
Liebstock ? +
Lorbeer + + bleibt getrocknet noch lange recht aromatisch
Majoran o +
Minze + + gerade für arabische/türkische Gerichte sollte man lieber frische bzw. eingefrorene Minze nehmen, da passt getrocknete nicht so gut
Oregano + +
Petersilie +
Rosmarin + + behält auch getrocknet lange sein Aroma, friere ich daher nie ein
Salbei + +
Schnittlauch + getrocknerter Schnittlauch ist einfach nur furchtbar.
Thai-Basilikum o
Thymian + +
Zitronengras + verliert beim Trocknen sehr stark an Aroma. Wächst aber auch im Winter auf der Fensterbank. Selbstanbau lohnt sich.

Legende: „-“ = ungeeignet, „o“ = einigermaßen geeignet; „+“ = gut geeignet.

Jürgen
Kocht gerne und fast täglich. Probiert oft Neues aus. Wenn’s sein muss, auch mal aus der Convenience-Food-Abteilung (aber wirklich nur gaaanz selten), was dann auch regelmäßig hier verbloggt wird.
Print Friendly, PDF & Email

0 Kommentare zu “Kräuter auf Vorrat: frisch, getrocknet, tiefgefroren

  1. Praktische Liste 🙂 Ich ergänze mal aus unseren Erfahrungen:
    Koriander lässt sich gut einfrieren
    Kaffir-Limettenblätter haben wir bisher immer eingefroren, aber diesen Herbst wagen wir ein neues Experiment: Heute hab ich das vor einigen Wochen erworbene Kaffirlimettenbäumchen reingeholt, mal sehen, wie ihm der Winter im Haus bekommt.

  2. @elian: Danke für die Ergänzung. Hab das in der Tabelle zugefügt.
    Hm, hat eigentlich schonmal jemand versucht Korianderblätter zu trocknen?

  3. Koreander habe ich mal ausversehen getrocknet. Nachdem ich die mal für eine Nudelsuppe geschnibbelt habe, hatte ich den Rest draußen liegen gelassen. Am nächsten Tag waren die so „angetrocknet“ 🙂 Wenn man das nachher in eine Suppe tut hat man noch einen leichten Koreandergeschmack. Kann aber sein, dass richtiges Trocknen mehr hervorbringt. Die Liste finde ich auch klassen!

  4. Gute Liste. Super, aber bei der Kresse habe ich mich gewundert. Laut meinen Infos kann man die nicht einfrieren. Habe ich mal in einem ARD Ratgeber gelesen. Wie machst Du das also mit der Kresse, dass es trotzdem funktioniert? Seitdem ich selbst mal in meinem Blog über Kräuter geschrieben habe, interessiere ich mich verstärkt für deren Anwendung. Jürgen, bist Du eigentlich Lotta?

  5. @Max Wir sind alle Lotta. Lotta-Jürgen, Lotta-Gargantua und Lotta-Martina. Ich trage allerdings die Verantwortung, die Jungs die Einkaufstaschen. 😉 Dummerweise jeder für sich (siehe Impressum).

  6. @Max: Ups, da ist mir ein Fehler unterlaufen. Ich hatte die Zeile mit dem Koriandergrün kopiert, aber versehentlich das „+“ nicht in ein „o“ geändert. Kresse ist in der Tat nur bedingt für’s Einfrieren geeignet. Sie wird weich und labberig und ist dann als Garnitur gänzlich ungeeignet. Bei z.B. grüner Soße spielt das dagegen keine Rolle, dafür kann man sie auf Vorrat einfrieren – bspw. wenn man Überschüsse hat, die man kurzfristig nicht frisch verarbeiten kann/will.

  7. @Jürgen Kresse kriegt man aber doch das ganze Jahr über, zwar nur die kleine aus den Plastikbeeten, aber immerhin. Da lohnt sich das Einfrieren eigentlich nicht. Und Reste kommen auf’s Butterbrot! 😉

  8. @Martina: das stimmt natürlich, man kriegt Kresse rund ums Jahr zu kaufen. Einfrieren ist eigentlich nur notwendig, wenn man entweder selbst ausgesäte überreichlich hat oder Reste nicht auf dem Butterbrot mag. 😉

  9. Hallo zusammen,
    die meisten eurer „Nicht-Trocknen“-Kräuter lassen sich problemlos in einem guten Öl konservieren. Einfach hohen Kräuteranteil in ein verschließbares Glas füllen und mit dem Öl luftdicht abdecken. Einige Thymianarten haben getrocknet ein kräftigeres Aroma als frisch.
    Liebe Grüße

  10. @Sabrina: Interessanter Tipp. Wie lange halten denn die in Öl eingelegten Kräuter und bewahrt man sie im Kühlschrank auf oder geht es auch ohne?

  11. Ingwer und auch Galgant dürfen in dieser Tabelle natürlich nicht fehlen. Ingwer hält sich im Kühlschrank sehr gut und im Blumentopf wunderbar – vor allem, wenn er dort Wurzeln schlägt und austreibt! Dann kann man sogar Ingwer-Grün ausprobieren. Eingefroren wird seine Struktur etwas weich. Aber wenn man ihn reibt oder fein hackt spielt das überhaupt keine Rolle. Galgant ist da wesentlich problematischer. Im Kühlschrank hält er nicht sehr lange und er schlägt im Blumenkasten auch keine Wurzeln wie der der Ingwer. Aber man kann ihn – wie den Ingwer – ganz gut einfrieren. Er wird dann zwar ziemlich weich, behält aber sein Aroma.

  12. Pingback: Ganz einfach: Frische Kräuter selber ziehen auf Balkon und Fensterbank

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kräuter auf Vorrat: frisch, getrocknet, tiefgefroren

Jürgen 8:00